Grauammer


Schutzprojekt für die Grauammer in der Saalbachniederung

Grauammer (Foto: Werner Debatin)

Über mehrere Wochen haben nun schon Studenten aus Tübingen und der NABU Hambrücken die Grauammern in der Saalbachniederung beobachtet und diese Arbeit ist noch längst nicht beendet. Hintergrund der intensiven Beobachtung ist die bevorstehende Heumahd. In einem Wettlauf mit der Zeit gilt es zu verhindern, dass die Gelege dieser stark bedrohten Vogelart bei der Heuernte zerstört oder die noch nicht flüggen Jungen vom Kreiselmäher getötet werden. Die beteiligten Personen hoffen, dass noch vor der Heuernte die Jungen schlüpfen. Dann können die Bereiche der Nester bei den Fütterungen leichter eingegrenzt, markiert und bei der Heumahd in Zusammenarbeit mit den Landwirten ausgespart werden.

Wenn eine Grauammer singt, dann klingt das ungefähr so, als wenn man einen Schlüsselbund schüttelt: eine Reihe tik-kender Laute, die in einem klirrenden Knirschen enden. Diese kurze Strophe trägt sie aber häufig und mit Inbrunst meist von erhöhter Singwarte aus vor. Ansonsten ist die Grauammer auf der Rückenseite so unscheinbar graubraun und auf der Bauchseite weißlichgrau, wie ihr Name besagt. Damit lässt sie sich gut von den anderen, durchweg kleineren Ammern unterscheiden, die alle viel abwechslungsreicher gefärbt sind.
In diesem Jahr ist in der Saalbachniederung der metallisch-klirrende Gesang von vier Grauammer Männchen zu hören. Mindestens zwei davon haben auch ein Weibchen.
Nach dem katastrophalen Einbruch des Grauammerbestandes in Baden-Württemberg mit derzeit nur noch 104 Revieren besteht akuter Handlungsbedarf. Ein von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Würrtemberg finanziertes Schutzprojekt der Uni Tübingen soll helfen die Bestände durch Bruterfolge wieder anzuheben. Hierzu werden alle noch vorhandenen Stellen mit Vorkommen von Grauammern erfasst und Maßnahmen zu deren Schutz eingeleitet. Insbesondere das Anlegen von bunten Blühflächen hilft den Grauammern. In der Saalbachniederung wurde vor kurzem in Kooperation mit einem Hambrücker Landwirt eine solche Blühfläche angelegt.

Vor zehn Jahren gab es auch auf Gemarkung Hambrücken noch Grauammern. Der ungebremste Flächenverbrauch, intensive Landwirtschaft und der steigende Freizeitdruck sind für das Verschwinden dieser Vogelart in der Hambrücker Feldflur verantwortlich.


NABU Hambrücken wirkt an einem landesweiten Stiftungsprojekt zum Schutz der Grauammer mit

Grauammer in der Saalbachniederung; Foto: Werner Debatin

Bodenbrüter wie Grauammer, Feldlerche oder Wachtel, aber auch Insekten und andere Feldbewohner haben ein gemeinsames Schicksal: Viele Arten sind gefährdet, weil Agrarmonokulturen ihren Lebensraum zerstört haben. Von allen regelmäßig bewerteten Lebensräumen ist die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft am stärksten rückläufig. Angesichts der absolut prekären Bestandssituation der Grauammer in Baden-Württemberg ist es dringend erforderlich, in die letzten Vorkommen ganz gezielte Schutzmaßnahmen in Verbindung mit Ausgleichszahlungen für Landwirte in die Wege zu leiten. Dies wird vom zuständigen Ministerium bzw. der LUBW explizit unterstützt.

Die Arbeiten im Rahmen eines landesweiten Stiftungs – Projektes zum Schutz der Grauammer haben nun begonnen. In diesem Zusammenhang wurde von den Projektverantwortlichen auch ein Termin mit dem NABU Hambrücken und der unteren Naturschutzbehörde vereinbart. Dabei sollen Erfahrungen ausgetauscht und weitere Schutzmaßnahmen besprochen werden. Bekanntlich befindet sich in der Saalbachniederung eines der letzten Rückzugsgebiete für die Grauammer in Nordbaden. In diesem Jahr waren es vier Brutpaare, damit hat sich der niedrige Bestand zumindest stabilisiert.

Der NABU Hambrücken hat jedes Jahr ein waches Auge auf die Grauammern in den Saalbachwiesen. Unser Verein führt Bestandserhebungen durch und wenn Brutplätze bekannt sind, nehmen wir Kontakt mit den Landwirten auf. Dabei ist es unser Ziel darauf hinzuwirken, dass die Heumahd erst zu einem Zeitpunkt erfolgt, wann die jungen Grauammern flügge sind.