NABU Gruppe Hambrücken

Naturschutzprojekt Saalbachniederung

Die Initiative von Franz Debatin trug im Jahre 1990 maßgeblich zur Gründung des interkommunalen Wiesenarbeitskreises „Pfinz-Lußhardt-Auen“ bei, der inzwischen in Verein „Wiesenauen Mittlerer Oberrhein“ umbenannt wurde. Ihm gehören die Städte und Gemeinden: Stutensee, Bruchsal, Karlsdorf-Neuthardt, Hambrücken, Waghäusel, Phillippsburg, Graben-Neudorf, Dettenheim und Oberhausen-Rheinhausen an. Ziel dieses Vereins ist die Erhaltung und Wiederherstellung der früheren bachbegleitenden Auenwiesen der Pfinz, des Saalbachs, des Waagbachs und des Duttlacher Grabens. Der NABU, die Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz Bruchsal (AGNUS) sowie das Regierungspräsidium Karlsruhe (Referat Naturschutz) sind beratende Mitglieder dieses Vereins. Der ersehnte Durchbruch für das Projekt in der Saalbachniederung gelang schließlich, als ein Landwirt aus Karlsdorf-Neuthardt, der einen Großteil der Flächen in der Saalbachniederung bewirtschaftet, in einem in Baden-Württemberg (BW) bisher einmaligen Schritt 1991 seinen gesamten Betrieb mit ca. 200 Hektar Bewirtschaftungsfläche in das Extensivierungsprogramm des Landes BW einbrachte und die zuvor intensiv genutzten Ackerflächen in extensiv genutzte Wiesen umwandelte. Diesem Schritt zur Extensivierung schlossen sich noch im gleichen Jahr weitere Landwirte an. Auch in den darauffolgenden Jahren konnten Dank der Bemühungen der NABU-Gruppe Hambrücken weitere Ackerflächen in extensiv genutzte Wiesen umgewandelt werden mit dem Ergebnis, daß heute wieder ein geschlossenes Wiesengebiet von nahezu 300 Hektar Größe vorhanden ist. Damit kann sich in der Saalbachniederung wieder das größte geschlossene Wiesengebiet des Landkreises Karlsruhe entwickeln. Im Jahr 1993 wurde auf Initiative von Franz Debatin die NABU-Gruppe Hambrücken e.V. gegründet. Ein weiterer bedeutender Schritt gelang 1993 mit einem Storchenprojekt im Rahmen des Weißstorchschutzprogrammes BW, das von der NABU-Gruppe Hambrücken betreut wird. Hierfür wurden auch Flachgewässer geschaffen, die im Laufe der Jahre mehrmals erweitert wurden und inzwischen eine Fläche von 3 Hektar umfassen. Die NABU-Gruppe Hambrücken pflegt dieses Feuchtgebiet durch mehrere Arbeitseinsätze im Jahr mit dem vereinseigenen Balkenmäher. Zahlreiche, zum Teil seltene Vogelarten, die hier wieder brüten bzw. vor ihrem Weiterflug in die Brut- und Winterquartiere rasten, belegen die große Bedeutung dieses Feuchtgebietes. Ebenso nutzen verschiedene Amphibienarten das Feuchtgebiet als Laichgewässer.

Eine wesentliche Weiterentwicklung erfuhr das Naturschutzprojekt Saalbachniederung im Jahr 2010 als im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme der Stadt Bruchsal eine 14 ha große wechselfeuchte Überflutungszone auf NABU-Flächen am Saalbach eingerichtet werden konnte. Begleitend zu dieser Maßnahme wurde darüber hinaus eine Überleitung vom Saalbach zum Wagbach in der Niederung geschaffen. Insbesondere die großen Wasserflächen der Überflutungszone erwiesen sich in der Folge als regelrechter Magnet für zahlreiche bedrohte Vogelarten, welche diese Flächen in großer Zahl als Lebens- oder Rastraum nutzen. Mittlerweile können auf den Feuchtflächen der Saalbachniederung im Sommer zahlreiche Kiebitze beobachtet werden, von denen 2018 die erste erfolgreiche Brut nachgewiesen werden konnte. In den Schilfflächen brütet der Drosselrohrsänger und am Boden suchen Wasserrallen nach Nahrung. Bekassinen, Grünschenkel, Kampfläufer, Bruch- und Waldwasserläufer sowie viele weitere Limicolen stärken sich während ihres Zuges auf den ausgedehnten Schlammflächen. Besonders gefreut hat uns 2010 der Erstnachweis des „Helm-Knabenkrauts“ in der Saalbachniederung. Über mehrere Jahre wurden mit lokalem Samen „Impfmaßnahmen“ auf Wiesen durchgeführt, um die Pflanzenvielfalt schneller zu verbessern. Im Jahre 2012 unterstützte uns die Bürgerstiftung Bruchsal mit einer Scheck-Übergabe. Seit 2014 fördert auch die Sparkasse Kraichgau dieses Projekt immer wieder mit einem Spendenscheck.  2016 erfolgte eine Förderung durch die LNV-Stiftung. 2016 wurden die Feuchtflächen nochmals im Rahmen des Projektes „Lebensader Oberrhein“ erweitert, so dass seit diesem Zeitpunkt ganzjährig hervorragende Feuchtigkeitsbedingungen auf den Flächen am Saalbach bestehen. 2014 und auch wieder 2013 wurden wir durch das Einzelhandelsunternehmen EDEKA mit einem Preisgeld für die Auszeichnung „Unsere Umwelt Heimat und Natur“ unterstützt. Im Jahre 2016 konnten wir auch den dm-Preis für „Helferherzen“ (für ehrenamtliches Engagement) in die Maßnahmen zur naturschutzfachlichen Aufwertung der Saalbachniederung investieren. 

In der Saalbachniederung im nördlichen Landkreis Karlsruhe bestand bis in die sechziger Jahre hinein eines der größten Wiesengebiete des Landkreises Karlsruhe. Zusätzliche Bedeutung erlangten die weiträumigen Wiesen durch Wiesenwässerungen, die zweimal im Jahr durchgeführt wurden und dadurch ein großes Amphibienvorkommen begünstigten.

Kurz-Historie:

Die Wiesen wurden nicht nur von den damals (bis 1962) in Hambrücken nistenden Störchen aufgesucht. Storchentrupps von über 100 Störchen sammelten sich in der Saalbachniederung alljährlich vor dem Wegzug nach Afrika, um das reichhaltige Nahrungsangebot dieser Niederung zu nutzen. In der Folgezeit begannen die Landwirte die Wiesen umzupflügen. Dieser Trend wurde noch verstärkt, als die Wässerwiesengenossenschaft aufgelöst wurde (1972). Mitte der Achtziger Jahre waren schließlich über 90% der ehemals vorhandenen Wiesen durch Umbruch verschwunden (am Saalbach entlang nahezu 100%). Halten konnte sich nur ein Wiesenstreifen am Waldrand (Stangenwiesen, Frauenwiesen), doch auch hier waren schon viele Wiesen umgebrochen worden. Vorhersehbar war, daß dieser Trend zum Umbruch, wenn nicht schnell etwas geschieht, weitergehen würde. Um zu verhindern, daß auch noch die restlichen Wiesen dem Umbruch zum Opfer fallen, und weil dadurch die Saalbachniederung für den Natur- und Artenschutz überhaupt keine Perspektive mehr gehabt hätte, startete im Jahr 1986 der jetzige 1. Vorsitzende der NABU-Gruppe Hambrücken e. V. Franz Debatin eine Initiative zur Rettung der noch vorhandenen Wiesen. Er pachtete Wiesengrundstücke, die von den bisherigen Eigentümern aufgegeben wurden, an und vermittelte diese an Bewirtschafter zur Pflege. Innerhalb von wenigen Jahren wuchs die von ihm angepachtete Fläche auf 20 Hektar, bestehend aus 120 Grundstücken. Darunter waren auch Ackerflächen, die wieder in Wiesen zurückverwandelt wurden, damit wieder geschlossene Wiesenbereiche entstehen konnten. Im Jahr 1989 wies das Landratsamt Karlsruhe die Saalbachniederung als Landschaftsschutzgebiet (LSG) aus. Im Jahre 2024 wurde die Saalbachniederung dann als kombiniertes Natur-, Landschafts- und Waldschutzgebiet ausgewiesen, mit einer Gesamtfläche von ca. 1250 ha, davon ca. 466 ha (Offenland-)Naturschutzgebiet, ca. 380 ha Landschaftsschutzgebiet und ca. 353 ha Schonwald.

Ausblick und Geschichte

Um auch weiterhin in der Lage zu sein, den Lebensraum für bedrohte Arten möglichst noch weiter zu verbessern, bietet die NABU-Gruppe Hambrücken e.V. Patenschaften für den Weißstorch, sowie eine Saalbachwiesen-Aktie an. Zusätzlich werden Führungen für Vereine und interessierte Besucher durchgeführt. Durch Ausstellungen, Veranstaltungen, Filmvorträge und in Soziale Medien versuchen wir die Öffentlichkeit zu informieren und für unsere Naturschutzanliegen zu sensibilisieren. Stolz ist die NABU-Gruppe Hambrücken auf die Unterstützung durch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die über ihre Stiftung „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“ im Jahr 1997 das Saalbachwiesenprojekt in ihr Förderungsprogramm aufgenommen hat. Zur Sicherung (durch Grunderwerb) und positiven Weiterentwicklung des Projektes wurden bedeutende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt hat auch ein langfristiges Pflege- und Entwicklungskonzept (LEK) für die Saalbachniederung finanziert. Erstellt wurde das LEK vom NABU-Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz Bühl. Der Abschlussbericht wurde im Jahr 2000 vorgelegt. Ein weiterer bedeutender Förderer des Naturschutzprojektes Saalbachniederung ist die „Deutsche Umwelthilfe„, die auch maßgeblichen Anteil daran hat, dass 2002 bereits über 200 Wiesengrundstücke in der Saalbachniederung angekauft und dadurch langfristig gesichert werden konnten. Nicht vergessen werden darf der NABU Landesverband Baden-Württemberg. Mit dessen Geschäftsstelle in Stuttgart besteht seit der Gründung der NABU Gruppe Hambrücken im Jahre 1993 eine sehr enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Seit 2000 erwerben wir auch „Freizeitgrundstücke“ in der Saalbachniederung und renaturieren diese. 2004 wurden dann im Beisein von Landwirtschafsminister Stächele zwei Infotafeln enthüllt. Im Jahre 2005 können mit Unterstützung von „Stuttgarter Hofbräu“ die Flachgewässer erweitert werden. Mit dem „Kleinen Knabenkraut“ gelingt uns 2006 der Erstnachweis einer Orchideenart.

 

In Anwesenheit von Regierungspräsidentin Nicolette Kressl, dem NABU-Landesvorsitzenden Johannes Enssle und der Bruchsaler Oberbürgermeisterin Petzold-Schick wird 2017 ein Jungstorch auf Gemarkung Hambrücken beringt. Am 4. Mai 2017 ist der Bundestagsabgeordnete Gutting auf Erkundungstour in der Saalbachniederung. Im Jahr 2018 feierte der NABU Hambrücken sein 25jähriges Bestehen. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Jubiläumsheft herausgegeben, mit ausführlicher Beschreibung des Projekts Saalbachniederung. 2018 unterstützte auch die Stiftung der Volksbank Bruchsal-Bretten erstmalig den NABU Hambrücken bei seinen Maßnahmen in diesem Projekt und fördert dieses Projekt seitdem immer wieder. Im gleichen Jahr half uns die Bürgerstiftung Bruchsal beim Erwerb von Flächen in der Saalbachniederung. Im Jahr 2019 schließen wir einen Kooperationsvertrag über drei Jahre mit PLANA Küchenland ab. Im NABU-Feuchtgebiet Saalbachniederung findet eine erfolgreiche Kiebitzbrut statt und mit Kiebitzregenpfeifer gelingt ein weiterer Erstnachweis. Bei der Suche nach Herzensprojekten durch die Stiftung der Volksbank Bruchsal-Bretten gehört unser Verein 2019 zu den drei Gewinnern und durfte sich über eine Spende freuen. Darüber hinaus hat die Stiftung der Volksbank Bruchsal-Bretten das Projekt Saalbachniederung des Öfteren finanziell unterstützt. Im Jahre 2019 schließen wir mit der Erdgas Südwest GmbH einen Kooperationsvertrag mit finanzieller Unterstützung ab, der in der Folgezeit immer wieder verlängert wird. Am 09.02.2021 hat Landesnaturschutzminister Franz Untersteller per Livestream zehn Preisträgerinnen und Preisträger mit dem Landesnaturschutzpreis 2020 der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg ausgezeichnet, darunter auch den NABU Hambrücken. Von der Bürgerstiftung Bruchsal erhalten wir 2021, wie schon mal 2012 und 2018, eine Förderung für weitere Grundstückskäufe. Im Rahmen eines Kooperationsvertrags mit der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe, mit welchem das Projekt Saalbachniederung ab 2020 jährlich finanzielle unterstützt wird, wird auch eine Auswilderungsvoliere für junge Kiebitze errichtet und in diesem Jahr für deren Auswilderung und Auswilderung eines einem Großen Brachvogels genutzt. Im gleichen Jahr durfte sich der NABU Hambrücken bei der Spendenaktion der Sparkasse Kraichgau während der Weltsparwoche beteiligen. Seit 2021 unterstützt uns auch die Fa. Rifcon GmbH jährlich mit einem nennenswerten finanziellen Betrag. Unterstützung fand das Projekt Saalbachniederung durch das Preisgeld, welches wir von EDEKA Südwest und der Stiftung NatureLife-International 2023 bei unserer Bewerbung für „Unsere Heimat & Natur“ erhielten. Außerdem hat uns die Sparkasse Kraichgau 2023 und wieder 2025 finanziell unterstützt. Ein wichtiges Ereignis im Jahr 2024 war die Ausweisung der Saalbachniederung als kombiniertes Natur-, Landschafts- und Waldschutzgebiet. Viel zum Erfolg in der Saalbachniederung beigetragen haben auch Privatpersonen, die den NABU Hambrücken regelmäßig großzügig unterstützen.

Nicht unerwähnt bleiben darf, die Unterstützung der vielen aktiven Mitglieder unseres Vereins, welche die jährlich anfallenden Pflege-, Reparatur- und Erweiterungsarbeiten durchführen. So waren 2025 im Herbst größere Arbeiten bei der Reparatur des Wassereinlaufes und der Pflege des Damms am Saalbach erforderlich.

Die Saalbachniederung gehört zu den 5 größten Wiesengebieten in Baden-Württemberg und hat mittlerweile weit über die Region hinaus Bedeutung als wichtiges Naturschutzprojekt gewonnen.  Die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt welch großes Potential in der Niederung steckt. Basis der zahlreichen positiven Nachrichten aus der Saalbachniederung ist die von unserer NABU Gruppe von Anfang an verfolgte Strategie des langfristigen Schutzes über das Instrument des Flächenerwerbs. Die NABU Gruppe Hambrücken ist weiterhin bemüht das Projekt weiter zu entwickeln und nachhaltig für den Natur- und Artenschutz zu sichern.

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