Vogelbeobachtungen im NABU Feuchtgebiet


Das NABU-Feuchtgebiet am Saalbach hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem besonderen Anziehungspunkt für zahlreiche bedrohte Vogelarten in unserer Region entwickelt. Einen großen Schub brachte dabei die Einrichtung einer wechselfeuchten Überflutungszone mit einer Fläche von 14 ha direkt im Anschluß an das schon länger bestehende NABU-Teichgelände. Diese Maßnahme wurde im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme durch die Stadt Bruchsal durchgeführt.

Im Folgenden möchten wir einige typische Arten vorstellen, die mehr oder weniger regelmäßig bei Vogelbeobachtungen im Bereich des Feuchtgebietes am Saalbach beobachtet werden können. Viele davon nutzen die Saalbachniederung als Ruhe- und Rastraum im Rahmen ihres Zuges, andere haben das großräumige Wiesengebiet und seine Gewässer als neuen Lebensraum gewonnen.

 

Kiebitz im Feuchtgebiet Foto: Lechner

Kiebitz im Feuchtgebiet Foto: Lechner

Kiebitz

Kiebitze mussten im vergangenen Jahrhundert vor allem durch den Ausbau der Flüsse und die intensivierte Landwirtschaft massive Bestandseinbußen verkraften. Dies hat zur Folge, dass die Art heute als stark gefährdet eingestuft wird. In Baden-Württemberg kommt sie noch in vielen Regionen mehr oder weniger stark vor, wobei die Schwerpunkte dabei in der Oberrheinebene liegen, im Bodenseegebiet, in Oberschwaben sowie im Donautal. Verwechseln lässt sich der etwa taubengroße Kiebitz mit keinem anderen Vogel. Typische Merkmale sind der Federschopf am Kopf, das aus der Ferne oben schwarze und unten weiße Gefieder, die akrobatischen Balzflüge sowie der namens-gebende Ruf kiju-wit.

In der Saalbachniederung lässt sich die Art mittlerweile regelmäßig beobachten, wobei es sich in der Regel um eher kleine Gruppen oder Einzeltiere handelt. Als besonders attraktiv für die Tiere zeigt sich dabei der Bereich der wechselfeuchten Überflutungszone, wo sich ausreichende Deckungsmöglichkeiten ergeben.


Flußregenpfeifer Foto: Helmuth Klaus

Flußregenpfeifer Foto: Helmuth Klaus

 Flußregenpfeifer

Flussregenpfeifer benötigen zum Brüten flache Kiesbänke und Schotterinseln. Im Frühjahr bauen sich die Vögel ihr Nest in Windeseile. Eine flache Mulde im Kies, allenfalls „ausgepolstert“ mit einigen Kieselsteinchen, reicht für das Gelege. Da die Kiesbank beim nächsten Hochwasser wieder überschwemmt werden kann, muss der Nachwuchs fit sein, sobald er sich aus der Eischale befreit hat: Mit nur fünf Gramm Lebendgewicht sind Flussregenpfeiferküken hierzulande die kleinsten Nestflüchter. Ausgewachsen ist der Flussregenpfeifer etwas größer als ein Sperling und damit der kleinste Vertreter der heimischen Watvögel.

Flußregenpfeifer können regelmäßig in der Saalbachniederung beobachtet werden. Die Vögel nutzen dabei die offenen Schlammflächen im Bereich der Überflutungszone als Nahrungsraum. Zudem bietet die räumliche Nähe zum Karlsdorfer Baggersee mit den dortigen offenen Kiesflächen eine zusätzliche Attraktivität. Obwohl bereits Paarungen beobachtet werden konnten fehlt bisher der Brutnachweis.


Grünschenkel Foto: Helmuth Klaus

Grünschenkel Foto: Helmuth Klaus

 Grünschenkel

Er gehört als Langstreckenzieher zu den beeindruckenden „Wanderern zwischen den Welten“: Das Brutgebiet des Grünschenkels liegt in der nord-eurasischen Wald- und Tundrenzone, seine Winterquartiere reichen bis ins tropische Afrika. Der zu den langbeinigen Wasserläufern zählende Schnepfenvogel legt alljährlich viele Tausend Flugkilometer zurück – ein energetischer Kraftakt, bei dem alles stimmen muss, vor allem Kondition und verlässliche Rastquartiere mit Nahrungsangebot und ungestörten Ruhezonen.

Erkennungsmerkmale des Grünschenkel sind neben den langen, grünlichen Beinen der ebenfalls lange Pinzettenschnabel, mit dem die Nahrungstiere von der Wasseroberfläche gepflückt oder aus dem Schlamm gestochert werden. Als größter und sehr beweglicher heimischer Wasserläufer fällt er schnell auf.

Die Ufer und offenen Schlammflächen der wechselfeuchten Überflutungszone in der Saalbachniederung werden häufig von Grünschenkeln als Rast- und Nahrungsraum genutzt. Die Vögel lassen sich regelmäßig im Gebiet während Ihres Zugs beobachten.


Bekassinen im NABU Feuchtgebiet Foto: Werner Debatin

Bekassinen im NABU Feuchtgebiet Foto: Werner Debatin

Bekassine

Die Bekassine wird gern „Meckervogel“ genannt. Sie hätte tatsächlich guten Grund sich zu beschweren, denn mit Mooren und Feuchtwiesen schwindet ihr Lebensraum zusehends. In vielen Gegenden ist unsere „Himmelsziege“ bereits ausgestorben. Das Meckern müssen wir übernehmen, wenn wir sie weiter zu unserer heimischen Fauna zählen möchten.

Ein zentrales Merkmal der Bekassine ist der spektakuläre Balzflug der Männchen mit einem lautstarken „Wummern“, das wie Meckern klingt. Der Laut entsteht während des Sturzflugs durch den Wind, wenn der Vogel die beiden äußeren Schwanzfedern abspreizt. Die Männchen steigen auf meist 50 Meter Höhe in scharfem Zickzack steil auf, um dann jäh zur Seite abzukippen. Dieser Kunstflug ist besonders gut von März bis Mai zu beobachten. Der mit sieben Zentimetern überproportional lange und gerade Schnabel ist ihr auffälligstes Kennzeichen. Bekassinen stochern mit ihm tief im weichen Boden, um Kleintiere zu orten und zu ertasten. Neben Würmern, Schnecken und Insekten stehen auch Sämereien und Beeren auf ihrem Speiseplan.

Im NABU Feuchtgebiet ist die Bekassine während des Durchzuges zu beobachten vor allem im August/September können mit etwas Glück größere Gruppen der Vögel in den Randbereichen der Wasserflächen beobachtet werden. Dort suchen sie in den ausgedehnten Schlickflächen nach Nahrung, um sich für den Weiterzug zu stärken.


Zwergtaucher Foto: Werner Debatin

Zwergtaucher Foto: Werner Debatin

Zwergtaucher

Der Zwergtaucher ist kleiner als eine Taube und ein eher heimlicher Bewohner auf Stillgewässern und langsam fließenden Bächen und Flüssen. Er besitzt eine überwiegend dunkelbraune Gefiederfärbung und ist dadurch bestens getarnt. Lediglich im Frühjahr und Sommer besitzt er einen rostroten Kehlfleck und einen hellen, gelblichgrünen Fleck am Schnabelwinkel. Er gehört zur Familie der Lappentaucher, besitzt also keine Schwimmhäute zwischen den Zehen wie die Enten, sondern lappenartige Fortsätze entlang der Zehen.

Auf dem offenen Wasser ist er meist nur kurz zu sehen, ehe er zu manchmal lang anhaltenden Tauchgängen unter der Wasseroberfläche verschwindet. Das Nest wird als Schwimmnest aus Blättern und Grashalmen auf einem frei schwimmenden Untergrund, oft auf überhängenden und ins Wasser eintauchenden Ästen mit Vorliebe von Weiden gebaut.

Im Feuchtgebiet des NABU in der Saalbachniederung sind Zwergtaucher bereits seit mehreren Jahren heimisch. Man sieht sie regelmäßig auf den Wasserflächen im Bereich der Schilfgürtel schwimmen und tauchen. Erfreulicherweise konnten auch bereits mehrfach Jungtiere im Gebiet gesichtet werden.


 

Kraniche in der Saalbachniederung

Kraniche in der Saalbachniederung Foto: Werner Debatin

 Kranich

Der Zug der Kraniche gehört zu den besonders beeindruckenden Naturschauspielen, ist für gewöhnlich aber vor allem im nördlichen Deutschland zu beobachten. Seit einigen Jahren sind jedoch vermehrt Kraniche auch im südlichen Teil der Republik unterwegs. 2013 konnte man Anfang November viele Tausende von ihnen am Himmel über Bayern und Baden-Württemberg beobachten. Auch die Saalbachniederung scheint sich zunehmend als Rastgebiet für durchziehende Kraniche zu etablieren. Während der Zugzeiten können die stolzen Vögel regelmäßig auf den Wiesen der Saalbachniederung beobachtet werden.

Der in unseren Breiten vorkommende Graue Kranich (lat.: Grus grus) wird ca. 115 cm groß. Erwachsene Vögel besitzen ein graues Körper-Gefieder mit einem buschigen dunklen Stoss. Auf dem Kopf und an der Kehle sind die Federn schwarz und werden seitlich von einem weißen Streifen unterbrochen, der sich von den Augen über die Seiten des Halses hinabzieht. Oberhalb des relativ kurzen Schnabels ist der rote „Scheitel“ – ein federloser Teil des Kopfes – zu erkennen. Kraniche bewohnen Sumpf- und Moorlandschaften in weiten Teilen des östlichen und nördlichen Europa.